Sonntag, 13. Mai 2012

Ausgeübter Beruf: Mutter

Den Hinweis auf den Spot habe ich auf einem Mami-Blog entdeckt. Es ist ein Werbefilm von Procter&Gamble, einem Sponsor der Olympischen Spiele, und wurde in London, Rio de Janeiro, Los Angeles and Beijing gedreht. Regisseur: Alejandro González Iñárritu (dessen Kinofilme mir als durchaus mal auf die emotionale Hupe tretend in Erinnerung sind).

Man sieht also in diesem Spot vier Mütter in vier Städten bei all dem, was Mütter offenbar tagein, tagaus so tun: Kinder wecken, Frühstück machen, Kinder zum Sportunterricht fahren, ihnen beim Spielen zuschauen, Wäsche waschen und aufhängen, Geschirr abwaschen, Betten machen, Kinder beim Sport anfeuern, Kinder verarzten, beim Autofahren prüfende Blicke in den Rückspiegel werfen, auf, na klar, die Kinder auf der Rückbank.

Und während die Mütter all das tun und tun und tun, werden die Kinder immer größer, sportlich immer erfolgreich, werden, ach was, Olympioniken, und die Mütter sind immer noch dabei, vor dem TV oder live in der Arena jubeln sie über den Erfolg ihrer Kinder, mit Tränen in den Augen und vor Stolz verzerrtem Gesicht.

Klaviermusik druntergepackt, und abgeblendet auf: „The hardest job in the world is the best job in the world. Thank you, Mom.“

Dieser Spot will also der Mutter Anerkennung zollen. Der Mutter, wie sie hier gezeigt wird: als sich kümmerndes Wesen. All das, was wir sehen, macht ihre Arbeit aus. Muttersein ist der ausgeübte Beruf dieser Frauen – es ist, behauptet der Spot, der schwierigste, der beste der Welt.

Lassen wir mal beiseite, dass in dem Spot nur die Mutter für die Erziehung verantwortlich zu sein scheint, nicht etwa auch der Vater oder das sprichwörtliche ganze Dorf. Tatsache ist ja, dass Tätigkeiten wie Hausarbeit und Kinderbetreuung vorwiegend von Frauen übernommen werden – in Deutschland und wahrscheinlich weltweit.

Vielleicht ist es da nur konsequent, das Muttersein als Job zu bezeichnen; als eine Arbeit, die Frauen eben machen, wenn sie Kinder haben. Nun leben wir in einer Welt, in der sich alles rechnen muss, daran lässt auch der Spot keinen Zweifel. Was also kassieren die Frauen als Lohn? Den Erfolg ihrer Kinder, so, wie wir es hier sehen? Soll dieser Erfolg für die Mütter quasi der eigene Erfolg sein, weil sie dazu die Vorarbeit geleistet haben? Ist es der Stolz, auf den es ankommt? Die Tränen? Oder erhalten die Mütter als Lohn letztlich bloß den Dank, der am Ende des Spots ausgesprochen wird?

Das Filmchen hinterlässt bei mir ein großes Unbehagen. So sehr ich, platt gesagt, dafür bin, dass Mütter ihre Kinder unterstützen: Die Frauen werden in diesem Spot als komplett auf ihre Kinder bezogen gezeigt; sie machen nichts anderes als ihren Mutterjob. Und auf eine perfide Art betont die großartige Inszenierung dabei auch noch, mit wie wenig gesellschaftlicher Anerkennung dieser so genannte Job verbunden ist.

Dass es schließlich, wenn man diesen schwierigsten und besten Beruf der Welt besonders gut beherrscht, Gold regnen soll – olympisches Gold zwar nur, nun ja – ist eine Pointe, bei der ich als Mutter meiner ungeborenen Kinder nur sagen kann: Danke, P&G. Danke, aber: Nein.

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