Montag, 28. Mai 2012

Wie, darf ich jetzt nicht einmal mehr eine Frage stellen!?

„Wie, darf ich jetzt nicht einmal mehr...?“: Fragen, die so oder ähnlich beginnen, werden in Diskussionen immer wieder gestellt, im Netz genauso wie im sogenannten wahren Leben. Zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit, zitiert aus dem Gedächtnis: „Wie, darf ich als Mann jetzt nicht einmal mehr einer Frau auf der Straße Hallo sagen?“ „Wie, darf ich als Teil eines heterosexuellen Pärchens in der Öffentlichkeit jetzt nicht einmal mehr Händchenhalten mit meinem Partner / meiner Partnerin?“

Aber Obacht, diese Fragen tun nur so, als wäre sie welche. In Wahrheit handelt es sich um rhetorische Tricksereien, die niemals, niemals, niemals der besseren gegenseitigen Verständigung dienen oder auch nur dienen sollen. Im Gegenteil, es ist die Stimme der Empörung, die sich hier erhebt. Die Stimme, die sich selbst im Recht glaubt. Und die so tut, als hätte irgendwer irgendwelche Verbote ausgesprochen, die es nun zu hinterfragen gälte.

Dabei hat, um auf die zwei Beispielfälle zurückzukommen, selbstverständlich keine_r das Händchenhalte-Verbot gefordert oder das Frauenbegrüß-Verbot. Es sind die Fragsteller_innen, die das eigentliche Anliegen auf solche Punkte herunterstampfen; auf scheinbar harmlose Verhaltensweisen, gegen die ein Verbot zu errichten geradezu absurd erscheinen muss.

Das eigentliche Anliegen wird also absichtlich missverstanden und lächerlich gemacht. Das ist respektlos und genauso ärgerlich wie der „So viel muss doch wohl noch erlaubt sein!“-Anspruch, der in diesen Fragen immer mitschwingt. Aber da es, wie gesagt, gar keine richtigen Fragen sind, muss man dazu auch weiter gar nichts sagen. 

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