Montag, 23. Juli 2012

Irgendwann ziehe ich hierher zurück

Wir waren im Zoo, die Eltern und ich, Tiere und die anderen Familien anschauen. Am Abend erzählen die Eltern vom Aquazoo, Streichelzoo, Babyzoo; da waren wir überall, früher. „Also macht man dann, wenn man Kinder hat, Sachen, die für Kinder interessant sind, die man als Erwachsener sonst nicht machen würde, wo man auch als Erwachsener allein nicht hingehen würde?“, stolpere ich fragend voran. Die Eltern nicken. „Wir haben eigentlich immer darauf geachtet, dass wir am Wochenende was zusammen machen“, sagt meine Mutter. „Ja, und wir haben da auch von profitiert“, sagt mein Vater. Ich denke an den Freund von K., der einen Abend mit uns im Theater und anschließend saufen war, einen Meter Kölsch, aber auf einem Zettelchen schon zu stehen hatte, was er am nächsten Tag machen wollte, sobald seine Frau nachgekommen wäre und seine drei Kinder. Marionettentheater, Abenteuerspielplatz. Paralleluniversum.

Im Botanischen Garten heute muss ich ein bisschen suchen, bis ich die Bank finde, die meine Großeltern gespendet haben; auf einer kleinen Plakette stehen ihre Namen. Dass wir dorthin kommen würden, um an die beiden zu denken, so haben sie sich das vorgestellt, ein schöner Gedanke eigentlich, woandershin gehen zu können als auf den Friedhof. Aber meine Mutter hat nur die Augen verdreht. Hat sich in ihrem Leben genug vorschreiben lassen müssen von ihren Eltern, dann bestimmt nicht auch noch, wo und wie zu gedenken sei. Und auf der Bank sitzt nun auch schon ein Mann, neugierig und freundlich schaut er mir entgegen, graue Haare, Trainingsanzug. „Sitzen!“, fordert er mich auf, aber ich schüttele den Kopf, das nächste wäre dann nämlich wohl „Reden!“, und danach steht mir nicht der Sinn.

Irgendwann ziehe ich hierher zurück, denke ich später, als ich durch die Stadt laufe, die alten, die uralten Wege, am Kindergarten, der Grundschule vorbei, hoch zum Platz der Republik und oberhalb der Gathe durch Straßen, die ich noch gar nicht kenne. Der Drang, die Menschen anzusprechen, die Frau mit den Rastahaaren, die Frau mit dem Kurierrucksack zu fragen: Lebst du hier, wo, warum, wieso läufst du an einem Montagmittag hier entlang? 

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