Mittwoch, 11. Juli 2012

Mein Körper tut mir weh

Wie Frauenfiguren immer schon, immer noch und wohl bis in alle Zeiten über ihre Körper erzählt werden. Und dass die Verletzungen, die dem weiblichen Körper zugefügt werden, immer die Verletzung der Seele mitmeinen. Eine Frau, die als Kind missbraucht, als Jugendliche vergewaltigt, als Erwachsene sexuell belästigt wird: solche Vorgänge definieren die Frauenfigur, bestimmen ihr Leben. Die allem zugrunde liegende Erzählung, dass der Körper der Frau auch gegen ihren Willen verfügbar gemacht werden kann, diese Ohnmachtsandrohung und gleichzeitig die Definiton: das Schlimmste, was einer Frau passieren kann, passiert ihrem Körper, kann also überhaupt erst passieren, weil sie diesen Körper hat. Eine unerquickliche Mischung aus Selbst schuld und Fürchtet euch. Eine Frau, die sich prostituieren muss, ganz oft erzählt als der letzte Ausweg, das letzte Mittel, der Körper als das, was die Frau jedenfalls immer noch besitzt, das sie einsetzen, mit dem sie etwas erreichen kann. Eine Frau, die mit einem Mann schläft, den sie nicht begehrt, immer aus Gründen, wegen mangelnder Selbstachtung oder gerne auch mal, um zu zeigen, dass diese Frauenfigur besonders tough sein soll, denn es muss schon was heißen, wenn eine den Imperativ nicht befolgt: Gib Dich nur dem hin, den Du liebst. Eine Frau, die abtreibt oder abtreiben muss oder eine Fehlgeburt hat: jeder Eingriff ein Angriff. All das, all das, schon so oft gelesen, schon so oft gesehen. 

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