Montag, 20. August 2012

Alltag

„Aber den einen Tag haben Sie noch gebraucht!“, sagt Frau K., als ich ihr erzähle, dass ich gestern nach dem Flohmarkt alle übrig gebliebenen Klamotten endlich in den Sammelcontainer fürs Rote Kreuz geschmissen habe. Und die Schuhe gleich mit dazu. Und die Taschen. Die übrigen Sächelchen und Sachen habe ich für die Nachbarn auf die Briefkästen gestellt.
Ich lache. „Genau, einen Versuch musste ich noch starten!“ Ein paar der Hosen stammten aus Abiturzeiten. Jedes Jahr wieder in den Schrank sortiert, jedes Jahr wieder nicht getragen. Weg damit. Warum fällt mir das so oft so schwer?
Heute denn auch die Möhren in den Müll geworfen, aus denen, als sie noch gut waren, Möhrensalat hätte werden sollen, mit Cashews und Rosinen, ein tolles Rezept, schon oft gemacht. Aber ich habe  derzeit keinen Nerv, mir ein auch nur etwas aufwändigeres Essen zuzubereiten. Dass deswegen Lebensmittel in meinem Kühlschrank vergammeln, ist natürlich strengstens zu verurteilen und sollte beobachtet werden.

Geste des Tages: Der Mann, vom Gang her Typ Cowboy, von der Kleidung Typ Bauarbeiter, der im Vorbeigehen dem kleinen Jungen, der bei den ersten dicken Regentropfen strahlend auf dem Gehweg steht, über den Kopf streicht. Dass mir das nicht übergriffig vorkommt, wundert mich im selben Moment. Aber die Geste ist dermaßen beiläufig, selbstverständlich, dass sie nicht mehr zu bedeuten scheint als das: Schön, wie du dich freust, mein Junge. 
Die Meldung neulich, dass eine australische Airline keine Männer mehr neben alleinreisenden Kindern platziert. Und der Aufschrei: Pauschalverdacht! Was mir dazu noch einfällt: diese Passage in der Tomboy-Besprechung von Ursula März: „So absolut unverzichtbar die öffentliche Aufklärung und Diskussion des Missbrauchs von Kindern in den vergangenen Jahren waren und in der Gegenwart sind, haben sie zugleich einen beklemmenden Nebeneffekt: das Misstrauen, auch das unbewusste Selbstmisstrauen, gegenüber dem Entzücken an kindlicher Physis. Wir sehen einen Vater im Schwimmbad mit seiner heranwachsenden Tochter herumtollen und werden, ob wir wollen oder nicht, von einem Verdachtsschatten befallen.“

Und dann die Wärme nach dem Regen, die sagt: Danke, das bisschen Feuchtigkeit kam mir gerade recht, damit ich noch ein bisschen schwüler werden kann.

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