Sonntag, 28. Oktober 2012

Nur für Frauen


Nach einer der Filmvorführungen sei ein Mann auf sie zugekommen, erzählt die Regisseurin Kirsi Liimatainen bei der Veranstaltung gestern. Dass ihr Film ihm gut gefallen hätte, habe er ihr gesagt, und dass sie jetzt bloß aufpassen solle, dass er nicht als Film nur für Frauen wahrgenommen werde.
Da hätte sie erstmal nach Hause gehen und lange nachdenken müssen, sagt Liimatainen, trockener Humor. Drehbuch, Kamera, Regie sind bei ihrem Film Festung mit Frauen besetzt – aber das hat sich, wenn ich Liimatainen richtig verstanden habe, eher so ergeben als dass es eine programmatische Entscheidung war.

Nur für Frauen – an dieser Formulierung bleibe auch ich hängen. „Nur“ kann exklusiv, ausschließlich bedeuten, aber eben auch im abwertenden Sinne: lediglich, bloß. Und diese Abwertung, hinter der ich wie immer ein gesellschaftliches Interesse vermute, scheint sehr gut zu funktionieren: Eine Medienprofessorin berichtet, dass junge Regisseurinnen ihre Filme lieber nicht bei Frauenfilmfestivals einreichen, sich lieber nicht in die ‚feministische Ecke’ stellen wollen – auch aus Angst, dann für immer auf dieses Thema oder Anliegen reduziert zu werden. Nur für Frauen eben. Nicht weiter relevant.
Unnötig zu erwähnen, dass die einzigen Männer auf der Veranstaltung für lange Zeit die beiden hinter dem Technikpult waren, bevor später am Nachmittag auch zwei oder drei im Publikum zu sehen waren. Frustrierend zu erleben, wie sich die Podiumsdiskussion, spätestens als sie fürs Publikum geöffnet wurde, thematisch zerstreute und verflachte und schließlich in einer Erregung a la „Wie müssen uns doch bei den Männern nicht entschuldigen, wenn sie aufgrund von Quotenregelungen eventuell nicht mehr so ungehindert Karriere machen können wie früher!“ mündete.

Na, heute zum ersten Mal auf dem Fahrrad?, solch hämische Gedanken schießen mir durch den Kopf, wenn vor mir auf der Straße jemand langsam und unsicher hereiert und ich grad nicht überholen kann, was mich jedes Mal ganz ungeduldig macht (wobei ich beileibe nicht zu den waghalsigsten Radfahrerinnen der Welt gehöre). Und: Na, noch nicht so viel über Feminismus nachgedacht?, so ließe sich mein Unwillen zusammenfassen, der mich in allgemeinen Diskussionen zu dem Thema immer öfter erfasst, je mehr ich mich damit beschäftige.
Und so, wie es Radfahrer_innen gibt, die auf der Überholspur unterwegs sind und mich links liegen lassen, gibt es selbstverständlich auch Gesprächspartner_innen, die weitaus mehr wissen und sich klügere Gedanken machen als ich. Aber öfter als anderen sehnsuchtsvoll hinterherzuwinken, ärgere ich mich momentan über diejenigen, die den Weg blockieren.

Ärgere mich zB über das Klischee von der lilalatzhosentragenden, verbitterten, männerhassenden Emanze, das auch gestern wieder aufgerufen wurde, und das angeblich junge Frauen davon abhält, sich dem Feminismus zuzuwenden. Anstatt dass einmal analysiert würde, was hinter solchen Klischeevorstellungen von Klischees eigentlich steckt: Die Behauptung, dass du als Feministin sexuell unattraktiv bist. Und das ist das Schlimmste, was dir als Frau passieren kann. Argumentations-strukturen einer sexistischen Gesellschaft: selbst auf Veranstaltungen mit dezidiert feministischer Ausrichtung zu finden. Auch da sieht man mal wieder, wie gut es funktioniert, das antifeministische Abwehrsystem.
Und ich ärgere mich über die Betonung von „Nur für Frauen“, die impliziert: Alles, an dem Männer nicht beteiligt sind, ist weniger bis nichts wert. „Ein Buch über Frauen ist ein Frauenbuch; ein Buch über Männer ist ein Buch“, wie katjaberlin mal auf Twitter schrieb. Ein Filmfestival mit Filmen nur von Frauen nennt sich Frauenfilmfestival, und ein Filmfestival mit Filmen nur von Männern wäre dann Cannes

Seufz. Mehr kann ich dazu gerade eigentlich nicht sagen.

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