Dienstag, 6. November 2012

Als das Kind Kind war


Ich habe kurze Haare wie meine Geschwister; die Nachbarn, erzählen mir die Eltern später, denken lange Zeit, wir wären alle Jungen. Einmal, frisch geschnitten, gefällt mir die Frisur nicht, ich stehe vor dem Spiegel, empört: Ich habe einen Fußballkopf!, ja wie ein Fußball sieht mein Kopf aus!, erst als ich in den Kindergarten gehe, fange ich an, mir die Haare wachsen zu lassen. Die beste Freundin lässt sich Ohrlöcher stechen, ich nicht. Spiele auch nicht mit Barbies, denn Barbies sind blöd, finde ich in erster Linie wohl um ein gutes Kind zu sein; es ist die Haltung der Eltern, während mich Mädchenspielzeug doch sehr fasziniert. Das Regenbogen-pony, das die Freundin besitzt, von mir jeweils adoptiert, wenn ich bei ihr bin.  
Im Schwimmbad, meine Geschwister und ich dreschen einander im Nichtschwimmerbecken Wasser ins Gesicht, fragt mich ein Mädchen: Bist du ein Junge oder ein Mädchen? Ein Mädchen, wieso?, sieht man doch, denke ich, ich trage einen Badeanzug, aber die Frage verunsichert mich, und das soll sie wohl auch. Wollte nur wissen, sagt das Mädchen, wendet sich ab. Das ist nichts für Jungen!, sage ich zu einem Jungen, der auch mal gucken will in vergessenwasfürein Heft, ein Spielzeugkatalog vielleicht, in dem die Freundin und ich blättern, wir sitzen auf der Rückbank vom Auto. Warum denn das nichts für Jungen sein solle, fragt meine Mutter von vorne und ich habe keine Antwort; das eigentlich Unangenehme ist zu merken, dass meine Mutter hier nicht auf meiner Seite steht.
Ein einziges Mal prügele ich mich, mit einem Jungen aus meiner Kindergartengruppe, warumweshalb keine Ahnung, es dauert nicht lang, ist wohl eher so ein Raufen, wir werden getrennt, sitzen rechts und links von der Gruppenleiterin, was irgendwie auch eine Auszeichnung ist, etwas Besonderes, heulen beide – Jetzt heult ihr beide, stellt die Leiterin fest, höchst zufrieden.

Bitte die Kamerafahrt über die Spielzeugkolonne hinweg zu beachten:  

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