Dienstag, 11. Dezember 2012

Und nichtmal Haare sind einfach nur Haare


Mich eben durch die hier verlinkten Artikel gelesen, mich gefragt, warum es eine solche Website eigentlich nicht im deutschsprachigen Raum gibt – Frauen, Mode, Essen, Sex und die Wirtschaft – überhaupt diese Form der Essays, diese Art, ICH zu sagen und sich gleichzeitig Gedanken übers große Ganze zu machen, ist hierzulande – außer in Blogs – nicht sehr weit verbreitet. Oder? Gegenbeispiele bitte in die Kommentare.
Einer der verlinkten Artikel jedenfalls behandelt Jada Pinkett Smiths Reaktion auf die allgemeine Empörung darüber, dass sie es ihrer Tochter erlaubt habe, sich die Haare abzuschneiden. Dass dieses Erlaubt-haben zunächst mal infrage gestellt werden müsse, schreibt Jada auf ihrer Facebook-SeiteDenn Körper, Geist und Seele ihrer Tochter würden nur einer Person gehören: ihrer Tochter, und sie allein dürfe darüber entscheiden. Schluck. „It's also a statement that claims that even little girls have the RIGHT to own themselves and should not be a slave to even their mother's deepest insecurities, hopes and desires“, schreibt Jada weiter, was mich daran erinnert, wie die Eltern meiner Mutter ihr als Jugendliche eine Wette vorgeschlagen haben: Sie solle sich nicht die Haare abschneiden lassen, bis sie 18 wäre, und würde dafür 50 Mark oder sowas bekommen, meine Mutter hat auch durchgehalten (und trägt die Haare seitdem kurz, bis heute).
Und natürlich wollten die Eltern meiner Mutter die Wette mit mir wiederholen, worauf ich mich nicht eingelassen habe. Als ich mir mit 15, 16 dann die Haare habe abschneiden lassen, sagte mein ältester Bruder, geschickt auf die angenommene Meinung seiner damaligen Freundin verweisend: „Also A. würde sagen, vorher hattest du etwas Besonderes, und das hast du jetzt nicht mehr.“ Woraufhin ich heulen musste (und meine Haare sind jetzt wieder lang).
Was ich mich frage: „the deepest insecurities, hopes and desires“, von denen Jada spricht – klar kann man sich als Mutter oder überhaupt als Mensch vornehmen, die nicht auf die eigene Tochter oder überhaupt auf andere Menschen anzuwenden. Trotzdem bestehen sie ja weiter, die tiefsten Ängste, Hoffnungen und Wünsche, und wirken sich in unseren Handlungen aus, ich habe hier – Stichwort Körpergeschichte – ja schonmal darüber nachgedacht. Nicht dass wir wiederum die Sklaven unserer verborgenen Gefühle wären – aber das Unbewusste, oh, das Unbewusste, all das, was wir in unserem unsichtbaren, niemals ganz ausgepackten Rucksack mit uns schleppen und das zB dazu führt, dass mir beim Lesen von Jada Pinkett Smiths Statement beinahe die Tränen kommen.

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