Montag, 21. Januar 2013

Alle Romy-Schneider-Filme, Teil 1: Scampolo, Monpti, Das Mädchen und der Kommissar


Doch noch ein guter Vorsatz für 2013: Ich werde mir alle Filme mit Romy Schneider anschauen. Unchronologisch, so, wie sie gerade in der Bibliothek erhältlich sind, und auch die, die ich schon kenne. Um dann hier im Blog darüber zu berichten. Privatvergnügen? Meinetwegen.

Scampolo (1958)
Romy spielt Scampolo (der Name bedeutet soviel wie Überrest), eine 17jährige Vollwaise, die ihr Geld als Touristenführerin auf Ischia verdient. „Bin ich eigentlich hübsch?“, fragt sie sich in ihrer ersten Szene beim Blick in den Spiegel, fragt es im Folgenden so ziemlich jede Person, der sie begegnet. Ja, sie ist hübsch, und gerechtigkeitsliebend, ehrlich, hilfsbereit, humorvoll und spontan noch dazu. Ein Unmensch, wer nicht gleich von ihr verzaubert wäre: Alle lieben Scampolo, aber nur einer erobert ihr Herz. Da Scampolo („In mir ist eine Katze, die man streicheln muss und ein Hund, der bellt“) weiß, dass Männer alle nur das eine wollen („Es gibt immer einen, bei dem man es nicht glaubt – da weiß man es erst hinterher“, warnt die mütterliche Vertraute), dauert es so seine Irrungen und Wirrungen, bis am Ende der Heiratsantrag gemacht werden kann. „Jetzt bin ich kein Scampolo mehr!“ Hach. Schon kurios, das Ganze im ‚Sehnsuchtsland’ Italien angesiedelt zu sehen, mit klischeehafter Darstellung der italienischen Lebensweise, während alle Hauptrollen mit Deutschen besetzt sind. Und dann diese Szene, wo ein Fotograf seinen Assistenten fragt, wie man denn heutzutage noch Benito mit Vornamen heißen könne. „Ich bin 1935 geboren.“ – „Na das erklärt natürlich alles.“ Ein Gruß an all die 23jährigen Adolfs im Kinopublikum oder was? Ob und wie – und sei es auch nur so zwischen den Zeilen – Umgang mit der NS-Zeit in den deutschen Komödien der 50er/60er-Jahre stattgefunden hat, wäre auch mal eine interessante Frage.

Monpti (1957)
Gleich noch ein deutscher Film, der im Ausland spielt, diesmal in Paris. Anne-Claire (Romy) und Monpti (Hotte Buchholz) treffen sich auf einer Parkbank, und tatsächlich wechseln sie die ersten Sätze auf französisch. Dann aber schaltet sich der Erzähler aus dem Off ein: Man wolle doch ein wenig zaubern und das Gesagte synchronisieren. Ebenjener Erzähler hat gerade noch Saint-Germain-de-Prés als den Ort beschrieben, „wo die Existentialisten zuhause sind – und die Existenzen“, worüber ich lachen musste. Anne-Claire ist genauso arm wie Monpti, erzählt ihm aber, sie wäre reich. „Weißt du, wie ich mir das Glück vorstelle?“, fragt sie ihn. „Die Frau wäscht, kocht, bügelt und spart für ihren Mann und könnte nicht ohne ihn leben. So stelle ich mir das Glück vor. Ich könnte das auch alles tun.“ – „Für mich?“, fragt er. – „Ja.“ Aber: „Ich möchte doch so gerne in einem weißen Kleid heiraten!“ Die Dramen, gut: Drämchen, die die beiden sich liefern (Zerschneide die Seidenstrümpfe, die ich dir schenkte, um zu zeigen, dass du mich nicht wegen der Geschenke liebst!), lassen sich auf folgende gegensätzliche Erwartungshaltungen reduzieren: Wenn du mich lieben würdest, würdest du mit mir schlafen. Wenn du mich lieben würdest, würdest du mich heiraten. Ende vom Lied: Er findet heraus, dass sie ihn in punkto Reichtum belogen hat, denkt, sie hätte ihn zudem schon immer betrogen, nennt sie „schmutzige kleine Hure“, sie rennt in Verzweiflung vor ein Auto und stirbt, selbstverständlich nicht ohne dass er ihr vorher noch die Heirat verspricht und die Ärzte feststellen, dass sie noch „ein Mädchen“ ist, unberührt und rein. Gibt’s eigentlich eine irgendwie wertfreiere Bezeichnung für den Jungfrau/unschuldig-Zustand!?, das frage ich mich. Und warum, das fragt Monpti, hat Anne-Claire eigentlich erzählt, sie wäre so reich? Weil sie dachte, dass er sich sonst nicht für sie interessiert, sagt sie. Es fällt der Satz: „Männer sind so.“ Es fällt der Satz: „Ich wollte dich doch behalten.“
Was mir gefallen hat: Die surrealistisch anmutenden Träume von Monpti („Wo ist das Höschen meiner Frau?“ „Warum haben Sie mein grünes Höschen gestohlen? Gab es denn keinen anderen Weg, mich kennenzulernen?“). Die Gegenschnitte auf das dekadente Geliebten-Pärchen bzw. -Dreichen, das mit  übertriebener Blasiertheit als die verkommene Version des jungen Glücks daherkommt. Paris als Kulisse. Und die superkurze Freibad-Szene, die mich an Kylie Minogue erinnert hat.

Das Mädchen und der Kommissar (1971)
Auftritt Romy als unabhängige Prostituierte Lily im schwarzen Lackmantel, beobachtet durch das Observationsfernrohr des von Erfolglosigkeit gequälten Kommissars Max („Wir sind nutzlos. Völlig nutzlos“), gespielt von Michel Piccoli mit seinen schönen braunen Augen unter den schönen  breiten Augenbrauen. Weil Lily mit einem Mitglied einer Kleinkriminellenbande liiert ist, nimmt er undercover Kontakt zu ihr auf – herrlich ihr überlegen-amüsierter Aaaaaah-ja-Blick, als er ihr eröffnet, er würde nur mit Frauen schlafen, die er nicht dafür bezahlen muss. Lily gibt er Geld, damit sie ihm Gesellschaft leistet, sie badet in seiner Wohnung (und trällert dabei „Deine Augen waren blau, oder vielleicht waren sie schwarz“), lässt sich von ihm fotografieren, spielt mit ihm Karten und fragt angelegentlich: „Bist du sicher, dass du n Mann bist?“ Je weniger er sich für sie zu interessieren scheint, desto mehr interessiert sie sich für ihn, will ihn sehen ohne Geld. „Du kennst mich nicht“, sagt Max, und Lily: „Das stimmt. Dabei könnte es so einfach sein.“ Unterdessen hat er ihr einen Floh ins Ohr gesetzt: Dass ein Banküberfall doch eine ganz lohnenswerte Sache wäre (die, da Banken versichert sind, im Grunde auch niemandem schadet). Lily gibt das so an die eher trottelig als kriminell wirkende Bande weiter, die sich erstmals für den Banküberfall überhaupt Waffen besorgt und denn natürlich geschnappt wird. Drama am Ende: Max’ Kollege will Lily als Mitwisserin „bezahlen“ lassen, da Max als eigentlicher Strippenzieher ja nicht so recht haftbar gemacht werden kann. Max erschießt den fraglichen Kollegen, die restlichen Polizisten machen betroffene Gesichter und Max wirft bei seinem Abtransport einen letzten schwermütigen Blick durchs Autofenster auf Lily, die im Regen steht – es hätte alles so einfach sein können. Übrigens: Alle rauchen. Immer. Ob das damals extra in den Drehbüchern stand oder irgendwie klar war, so wie atmen? Auf das Duo Schneider-Piccoli in weiteren Filmen freue ich mich jetzt schon. 

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