Sonntag, 24. Februar 2013

Alle Romy-Schneider-Filme, Teil 3 mit Exkurs: What’s new, Pussycat? (1965)



Ich werde wohl nie vergessen, wie S. und ich zu dem Titelsong mal miteinander getanzt haben, es ist schon einige Jahre her, S. hatte an dem Tag sogar ein Shirt mit Kätzchen drauf an. Wir hatten lange am See gesessen und nicht mitbekommen, dass die Party oben im Saal schon losgegangen war. Als wir dann dazukamen, wurde bereits getanzt, zu Hits wie diesem hier; die Leute waren im Schnitt doppelt so alt wie wir, die Stimmung ausgelassen, an der Grenze zu übermütig, und S. und ich waren gerührt. Normalerweise trafen wir beim abendlichen Ausgehen ausschließlich auf Gleichaltrige, dabei nahm die Tanzlust mit den Jahren offensichtlich nicht ab; es änderten sich nur die Räume, und das beruhigte uns, glaube ich, beide. 
Der Film ist nun das, was man gemeinhin eine „turbulente Komödie“ nennen würde, im Mittelpunkt steht dabei wieder einmal ein Mann, der sich nicht binden will, und eine Frau (gespielt von Romy), die geheiratet werden möchte. Aufgrund dieses Konflikts begibt er sich in die Hände eines (selbstverständlich aus Wien stammenden) Psychoanalytikers, der seinerseits gerne mehr Erfolg bei Frauen hätte usw., es dürfen mehrere leicht bekleidete Damen durch die Szenerie hüpfen, und Woody Allen ist in seiner allerersten Kinorolle zu sehen. 

Was ich mich gefragt habe: Wann hat sich eigentlich die Frage nach Bindungsfähigkeit bzw. -willigkeit vom heiligen Sakrament der Ehe gelöst? Man kann nämlich wirklich den Eindruck bekommen, der Gradmesser für die Ernsthaftigkeit einer Beziehung wäre früher eben die Bereitschaft gewesen, eine eheliche Verbindung einzugehen – und in den Romy-Filmen, die ich bisher gesehen habe, war es immer die Frau, die bangen musste, und der Mann, der sich nicht entscheiden wollte.
Und heute? Ist es immer noch dasselbe, argumentiert zumindest Eva Illouz in „Warum Liebe wehtut“, wobei sie sich explizit auf die westliche bürgerliche Heterowelt bezieht. In dieser Welt, als Markt betrachtet, sind Männer klar im Vorteil: Abgesehen davon, dass der ungebundene, kinderlose Mann gesellschaftlich weitaus akzeptierter ist als die ungebundene, kinderlose Frau, sind Männer beinahe ihr ganzes Leben lang in der Lage, Kinder zu zeugen – dementsprechend gelassen können sie die Partnerinnenwahl angehen, falls der Wunsch nach Familie auftaucht.
Frauen hingegen sind aufgrund gesellschaftlicher Normen auch noch dazu angehalten, sich bei ihrer Partnerwahl nach oben zu orientieren. d.h. der Gatte soll bestenfalls ein höheres Einkommen, Ansehen usw. genießen (gerne genommenes Beispiel: Chefarzt und Krankenschwester? Oh ja. Chefärztin und Pfleger? Eher nein).

In meiner Welt wird geheiratet, sobald die Paare ein Kind erwarten. Ist einfach praktischer, heißt es dann. „Das hat man damals eben so gemacht“, sagte auch meine Mutter, als ich sie einmal fragte, warum sie meinen Vater geheiratet hat. Natürlich hatte ich eine romantischere Antwort erwartet, und erst später wurde mir klar, dass man „damals eben so“ beispielsweise auch keine gemeinsame Wohnung bekam als unverheiratetes Paar, und nur sehr schwer an ein Rezept für die Pille als unverheiratete Frau.
All das hat sich geändert, und man könnte doch meinen, dass es gesellschaftlich eine immer geringere Rolle spielen würde, wer wo wie mit wem zusammenlebt. Aber dem ist nicht so. Über den Beziehungen – zumindest in meiner Welt – thront immer noch das Ideal der zwar nicht mehr unbedingt über die Institution der Ehe organisierten, aber in ihrer Form doch eheähnlichen Zweisamkeit in all ihrer immerwährenden Ausschließlichkeit. 
Beim Blick auf die Scheidungsraten kann heutzutage bloß niemand mehr annehmen, dass das Ja-Wort eine Garantie für irgendwas wäre – im Gegenteil: Die Frage nach dem „Commitment“, der Bindungswilligkeit, -fähigkeit und persönlichen Hingabe, muss sich jede und jeder selbst stellen. Und so besteht in den Komödien von heute der Witz nicht mehr darin, dass eine Frau versucht, einem Mann das Eheversprechen abzuluchsen. Er besteht darin, dass sie sich fragt, ob er überhaupt der Richtige ist.

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