Freitag, 19. April 2013

Tage, an denen es warm ist


und die Sonne scheint, aber es ist noch kein einziges Blatt an den Bäumen. Das sehr grelle Licht dann immer, und die sehr blassen Gesichter meiner Mitmenschen, fahl noch vom Winter, über den wieder alle gejammert haben. Wie alle dann wieder jammern werden, wenn es im Sommer zu heiß wird oder nicht heiß genug oder oder oder. Inzwischen hat sich ein zweiter Nachbar einen Hund zugelegt, und wenn die Tiere alleine in den Wohnungen sind, fangen sie an zu bellen, hinter den verschlossenen Türen im Erdgeschoss und zweiten Stock, bellen sich gegenseitig an, hören nur, dass da noch ein anderer Hund ist, legen sich mit ihm an. Lassen nicht locker. Die Bekannte meines damaligen Freundes, die zu mir meinte, wenn man keine Tiere mögen würde, sei man sicher auch nicht in der Lage, eine Liebesbeziehung zu führen. Und wie einem solche Bemerkungen für immer in den Knochen stecken bleiben, obwohl man sie doch als bescheuert abhaken will. Die Wohnung im zweiten Stock stand jahrelang leer, beziehungsweise fragte ich mich, ob sie leerstand oder jemand darin wohnte, der sich nie zeigte, denn manchmal standen die Fenster auf Kipp. Aber es brannte nie Licht. Und dann eines Tages zog der Typ ein, der inzwischen auch einen Hund hat, sein Vater sprach mich auf dem Hof an, redete mit dieser seltsamen Dringlichkeit, der man anmerkt: Diese Person muss das jetzt loswerden. Und redete ein wenig wirr. Was ich verstand: Jahrelang hätte sein Sohn diese Wohnung, seine Junggesellenwohnung, behalten, falls einmal etwas passiert, man wisse ja nie. Und jetzt hätte sich seine Frau wirklich von ihm getrennt, nach mehr als zehn Jahren, trotz gemeinsamer Kinder. Und nun würde er eben wieder zurückziehen. Was ich spürte: Der Vater hätte Trost gebraucht. Aber ich nickte nur und hob die Schultern. Was hätte ich auch sagen sollen? Wenn es warm wird, bleiben die Bäume immer nur für ein paar Tage noch kahl, dann fängt alles an zu grünen und blühen.

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