Freitag, 21. März 2014

Manchmal wünschte ich mir

, die allgemein verbreitete Frage, um ein Gespräch zu beginnen, wäre: „Haben Sie Lust, sich zu unterhalten?“ und nicht „Ist der Platz neben Ihnen noch frei?“ Grad gestern, auf G.s Buchpremiere, hat sich mal wieder so ein Typ neben mich gesetzt, ist dann gleich wieder aufgestanden, um sich was zu trinken zu holen, „Aber Sie halten mir den Platz frei?“, gell, zwinkerzwinker, und als er zurückkam, erzählte er, er kenne den Autor gar nicht, habe das Buch auch nicht gelesen, er würde nur um die Ecke wohnen, so ein bisschen Literatur am Abend, warum nicht. Ob ich denn den Autor kennen würde?, ach befreundet und ob es denn sein erstes Buch sei?, ach das vierte und ob es mir gefallen habe? Ja? Worum es denn gehe? „Lässt sich schwer in einem Satz zusammenfassen“, sagte ich. Ach. Das da drüben sei übrigens die Buchhändlerin, und das der Buchhändler. Während der Lesung lachte der Typ ein paarmal an den richtigen Stellen, aber als im Publikumsgespräch danach die Frage gestellt wurde, wie lange G. denn an so einem Buch schreibe und G. sagte, zweieinhalb Jahre in diesem Fall, und das sei eher noch kurz, lehnte der Typ neben mir sich zu mir rüber und raunte: „Ob der davon leben kann, das fragt man jetzt besser nicht“, gell, zwinkerzwinker. Und ich sitze mal wieder da und sage nichts, mache nur so ein Tja-Schnaubgeräusch durch die Nase, und ärgere mich, vielmehr als über den plumpen Verbrüderungsversuch – schon schön, was diese Künstler da so produzieren, aber Geld haben immer noch nur wir, nicht die – über mich selbst, dass ich dem Typen nicht zeige, dass er damit bei mir nun wirklich an der falschesten aller Adressen ist. Und denke gleichzeitig: Es hört nie auf. Selbst bei G., der, hochdekoriert mit Preisen und Stipendien, zusätzlich beim Radio arbeitend, mit seiner Frau und zwei Kindern ein gutes Leben lebt, hört es nicht auf. Solange seine Bücher nicht auf der Bestsellerliste stehen, wird die Wertschätzung für seine künstlerische Arbeit immer, immer, immer mit einer Abwertung verbunden sein, denn der Dichter muss arm sein, das weiß man doch, der Dichter muss irre sein, sonst würde er nicht dichten, der Dichter muss am Rande der Gesellschaft stehen, um etwas über die Gesellschaft sagen zu können. Was ich mir derweil auf die To-Do-Liste schreibe: konfrontativer werden. 

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