Dienstag, 3. Juni 2014

Alltag


Dass die Existenz des lauten Mädchens im Büro offenbar der Tatsache geschuldet ist, dass ihre Mutter mit dem Chef liiert ist: Ach so. Noch lerne ich jeden Tag etwas dazu. Wenn das Mädchen mit den anderen Ladies Mittagspause macht, in der offenen Küche sitzend, eine Inszenierung des noch zu schreibenden Erfolgstheaterstücks „Unendlicher Quatsch“ vorwegnehmend, setze ich mir entweder die Kopfhörer auf oder fliehe nach draußen. Sitze dann gerne vor dem Pizzapavillon am Kanal, dort, wo ich vor tausend Jahren beim Trudeln durch die Nacht mit G., ob er sich daran wohl noch erinnert, mal einen Typen ansprach, auf so ganz schlechtem Englisch, hey do you know where a club is around here, someplace where we can dance, und er, auf genauso schlechtem Englisch, no, well I come from Club der Visionäre and I go home now, und wir uns anlächelten, und er, Pizzakarton in der Hand: You can come with me, if you want. Unendliche Charmanz. Habe ich aber nicht gemacht. Und dann das Warten auf den Aufzug, der mich zurück ins Büro bringt, für eine halbe Minute zum Nichtstun gezwungen, geschenkte Zeit, denke ich, verpisste Zeit, tönt die Stimme meiner Mutter in meinen Ohren, wie eine kleine geballte Faust, die man schüttelt, wenn man auf Dinge schimpft, die man doch nicht ändern kann. Aber auch an dem Ärger über die Dinge kann man nichts ändern.

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