Dienstag, 15. Juli 2014

Und sie, die am Gehwegrand

vor dem Mülleimer steht mit einer Plastiktüte, darin die soeben gekauften Kirschen, von denen sie die schlechten, zerdötschten aussortiert, und er, der ein paar Meter weiter wartet und fragt: Willst du das nicht machen, wenn wir auf der Bank sitzen?, und sie, die sich Zeit lässt und schließlich sagt: Drei schlechte Kirschen, das ist nicht viel.
Wie ich mir dann auch Kirschen kaufe. Das Gefühl vom Kirschkerneausspucken, die Erinnerung daran, dass ich als Kind die von der lieben Tante, dem lieben Onkel ausgespuckten Kirschkerne nochmal in den Mund genommen habe, um wie auf winzigen Endlosbonbons daran herumzulutschen, bis sie ganz blank waren, was mich stolz gemacht hat, und wie niemand das Igitt oder sonstwie fand. Kopfschütteln.
Plötzlicher, absurder Gedanke: Wenn ich schon sterben muss, dann ess ich wenigstens noch Kirschen! Und gestern sehr gelacht, als ich im Internet über die Beschimpfung stolperte: „Kauf dir mal Leben.“ (Vielleicht nur witzig für Menschen, die Candy Crush und Konsorten spielen. Was wiederum viele sein dürften.)
Und auf Arbeit mitzubekommen, wie jemand versagt, so umfassend, so grundlegend, so rettungslos versagt, dass niemand wütend wird oder grob, sondern alle immer nur noch sanfter und sanfter, aus Mitleid, gemischt mit Fassungslosigkeit, und wie ich denke: Sollte ich jemals versagen, dann bitte nicht so.

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