Samstag, 16. August 2014

Büble


Immer, wenn ich an dem Werbeplakat fürs Büble-Bier vorbeifahre, muss ich an M. denken, genauer: wie er auf der Rückfahrt von R.s und B.s Hochzeit sich ein Büble-Bier aufmachte, es war ein heißer Tag, K. saß am Steuer und ich auf dem Beifahrersitz, hinten M., neben ihm zwei Kästen ungetrunkenes Bier, vier Tage lang waren wir auf dem Land gewesen mit allen Freunden, Bekannten und Verwandten von R. und B., und B.s Vater hatte in seiner Hochzeitsrede gesagt, er könne es nicht begreifen, dass die jungen Menschen nun wieder auf die Idee kämen zu heiraten, das widerspreche allen Idealen, die er als junger Mensch gehabt hätte, und R.s Vater hatte in seiner Hochzeitsrede gesagt, dass in einer Ehe immer einer nach den Sternen schauen müsse und einer nach dem Sturm, und R. und B. hatten eigentlich von Anfang an furchtbar angestrengt ausgesehen, sodass ich mich fragte, für wen machen sie diese Feier eigentlich, für sich selbst ja offensichtlich nicht, und die jeweiligen Familien wären allem Anschein nach lieber unter sich geblieben, und wir, die Freunde, wir hatten uns am Ende auch nichts mehr zu sagen und saßen schweigend im Auto, im Stau. Es war so um die Mittagszeit, und M. sagte plötzlich, ich glaube, ich mach mir ein Bier auf, und wir lachten, und M. fragte, wollt ihr auch. Und dass Büble-Bier irgendwann mal auf Plakaten beworben werden würde, war damals noch gar nicht abzusehen, soweit ich weiß, hatte B. die Kästen selber aus seiner Heimat herangekarrt, niemand kannte die Sorte. Schmeckts denn, fragte ich, und M. sagte, ist halt warm, und dann schwiegen wir wieder. M. mit seinen großen Augen, dem immer etwas erschrocken wirkenden Blick, inzwischen selbst verheiratet, aber als das gefeiert wurde, gehörte ich dem Freundeskreis schon nicht mehr an, inzwischen Vater einer Tochter, wie ich hörte, gesehen habe ich ihn seit Jahren nicht mehr.

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