Montag, 25. August 2014

Montagabend

Zehn Uhr abends, und ich bin betrunken, jedenfalls fühlt es sich so an, aber in Wahrheit bin ich nur todmüde. Der Rausch der Werktätigen, haha. Heute gehört: „Ihr Gebiss ist wirklich in einem sehr gepflegten Zustand“, und obwohl ich weiß, dass ich das als Kompliment auffassen kann, muss ich doch kurz denken: Klingt, als wäre ich ein Pferd. Dabei würde man mit einem Pferd natürlich nicht so sprechen. Wie das wohl ist, die Zähne von anderen Leuten sauberzumachen?, die Frage stelle ich mir, aber nicht laut.
Im Büro dann der Praktikant an seinem vorletzten Tag, das Ende herbeisehnend, dabei äußerlich ganz gelassen, wie immer. Aber er sitzt mir schräg gegenüber, und ich kann sehen, was für ein Gesicht er macht. Hinter der zur Schau gestellten Höflichkeit ein gerüttelt Maß an Überheblichkeit, sind das alles Idioten hier, denkt er. Und ist dabei gezwungen, vom einen zum anderen zu dackeln und nach Aufgaben zu fragen, hast du noch was für mich, hast du vielleicht noch was, oder du, dass ihm das würdelos vorkommt, liegt auf der Hand, und dass er sich gegen dieses Gefühl wehren muss. Wenn er dann eine Aufgabe hat, erledigt er sie in Rekordzeit, natürlich macht er dabei Fehler. Fehler, auf die ich ihn nicht hinweise, die ich stillschweigend behebe, soll er doch bitte denken, er wäre uns allen überlegen, soll er doch bitte morgen seinen letzten Tag haben. Sollen doch bitte alle morgen ihren letzten Tag haben. Ich auch!
Zu Hause dann den ersten Kakao in diesem Herbst getrunken.
Und diese Fotostrecke bewundert.

1 Kommentar:

  1. <3 (für die texte generell - und den rookie-verweis im besonderen)

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