Sonntag, 24. August 2014

Sonntagabend

Gelesen: „Aller Liebe Anfang“ von Judith Hermann. „Und weißt du noch, wie zuversichtlich wir vor zehn Jahren gewesen sind?“, fragt Stella ihre Freundin Clara in einem Brief. „Beinahe verwegen. Und dabei ging es um nichts. Was wir wollten, ist das, was wir haben – Mann, Kind, Dach über dem Kopf, ein abgeschlossenes Leben.“ Und Clara schreibt: „Früher habe ich mir manchmal vorstellen können, ich wäre jemand anders. Heute bin ich nur noch ich selber. Müde und überfordert.“ Und Stella? „Sie ist gerne allein, früher war sie nicht gerne allein, so einfach ist das, sie weiß nur nicht mehr genau, wann diese Veränderung eigentlich eingetreten ist.“ Das ist es, was mir an dem Roman eigentlich sehr gut gefallen hat. Dieses Thema. Wie man sich selber langsam, ganz schleichend aus dem Blick verlieren kann, einhergehend mit einem Misstrauen sowohl dem eigenen Leben gegenüber als auch dem Wunsch nach Veränderung. Genauso unheimlich im Grunde, wie wenn der Stalker hundertmal klingelt.
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Wikipedia-Fund der Woche (und ewiges Bedauern, nicht Soziologie studiert zu haben): Behaviorem.  „Einige Begrüßungsrituale (erste Hälfte 20. Jahrhundert): Hände an Hosennaht und Verbeugung – Österreich, Deutschland, Argentinien.” Hände an Hosennaht! Finde ich ja urkomisch, weiß aber bei näherer Betrachtung überhaupt nicht, warum. Wie so oft.
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Mal wieder Lust zu malen, mal wieder Lust zu tanzen, mal wieder Lust zur Schule zu gehen. Mal wieder eine Funktion f von x bestimmen, mal wieder eine Gedicht interpretieren, mal wieder Vokabeln lernen, mal wieder die Sportsachen zu Hause vergessen. 

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