Sonntag, 26. Oktober 2014

Lebensmittelmotten also.

Nun gut, man kann sich seine Feinde nicht aussuchen. Und wann habe ich sonst schon mal die Gelegenheit, entschieden gegen irgendetwas vorzugehen. Stunden vor dem Küchenregal verbracht, alles Offene aussortiert, alles Unverdächtige in Tupperdosen-Quarantäne verbannt, gewischt, gewischt, gewischt. Ob’s das jetzt war? Woher die Viecher kamen, weiß ich nämlich immer noch nicht. Derweil schickt M. eine Rundmail, Empfänger unsichtbar, liebe Berliner Freunde, und ob jemand Lust hätte, mit auf das Konzert am selben Abend zu kommen? Mails, die ich niemals verschicken würde, weil ich Angst hätte, dass entweder niemand mitkommt oder gleich mehrere Personen, die sich untereinander dann nicht verstehen. An M., die ich sicher ein dreiviertel Jahr nicht gesehen habe, schreibe ich zurück, dass ich dabei bin. Als wir uns abends treffen, ist sie in Begleitung einer Freundin, die, während M. mir noch vor Konzertbeginn kurz ihr aktuelles Herzeleid klagt, sagt, wir sollten das jetzt nicht persönlich nehmen oder ihr übel, aber sie würde lieber doch wieder nach Hause fahren und mit ihrem Freund telefonieren. Mit einem strahlenden Lächeln sagt sie das und dem inneren Leuchten einer Person, die vollkommen beseelt davon ist, auf die eigenen Gefühle zu hören. Mir fällt innerlich die Kinnlade runter, so unsensibel finde ich das M. gegenüber, die für eine halbe Minute auch etwas konsterniert wirkt und sich dann nichts mehr anmerken lässt. Das Konzert ist sehr schön. Gestern zum ersten Mal die Heizung angemacht, und jetzt auch noch die Zeitumstellung. Bald ist es um vier Uhr schon so dunkel, wie es im Sommer niemals wird; mir graut immer ein bisschen davor.

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