Mittwoch, 7. Januar 2015

Happy New Fear

Gestern im Waschsalon der Penner, der reinkam, höflich fragte, ob es hier eine Toilette gebe, ein Waschbecken, nein?, ich schulterte die IKEA-Tüte mit meiner gerade fertig gewordenen, noch trocknerwarmen Wäsche und ging, der vorletzte Besuch im Waschsalon oder der vorvorletzte vielleicht, bevor es damit ein Ende haben wird, und als ich schon draußen war und mein Fahrrad aufschloss, sah ich durch die Glasfront, dass der Penner drinnen seinen Pimmel aus der Hose geholt hatte und in den Waschsalonmülleimer pinkelte, in den ich zuvor noch meine leere Waschmittelflasche geworfen hatte, und ich starrte kurz hin und fragte mich, ob der wohl manchmal auch in die Waschmaschinen pinkelt? Und dann wandte ich mich endgültig ab.

Und heute beim Haareschneiden sagt die andere Friseurin ihrem Kunden, er solle es nicht falsch verstehen, jaja wir seien hier in Kreuzberg und jaja hier sei alles ganz oft ganz international, aber einfach hereinzukommen und ohne ein Hallo oder ein Entschuldigung oder ein Do you speak english? anzufangen, auf Englisch mit ihr zu reden, das fände sie einfach unhöflich, und der Kunde, dem sie bereits die Haare gewaschen hat und der jetzt nicht mehr weglaufen kann, sagt verschüchtert, Entschüldigung, und etwas mit: Mein Deutschkurs, meine Friseurin und ich lächeln einander über den Spiegel zu, die Tür öffnet sich, ein Typ kommt herein und sagt, er würde gerne einen Termin ausmachen, er sagt es auf Englisch und die andere Friseurin sagt, die Augen verdrehend, zu ihrem Kunden: You know what I mean, und da weiß ich, ich an seiner Stelle würde nicht noch einmal zu ihr gehen. Mit meinen Haaren bin ich am Ende sehr zufrieden; der gute Vorsatz, wöchentlich eine Haarkur zu verwenden, wird neu gefasst und gesellt sich zu den Klassikern mehr lesen, mehr schreiben, wieder öfter zum Sport. 

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