Samstag, 10. Januar 2015

Leidplanken


Auf einmal waren alle Charlie, auf Facebook wurden Profilbilder geändert und Karikaturen gepostet, he drew first, sogar die Tagesthemen waren Charlie und erläuterten auf ihrer Website stolz dieses Abweichen von der sogenannten journalistischen Neutralität. Und was bedeutet Wandel für euch?, wurden die KollegInnen und ich auf Arbeit gefragt, die Antworten, eifrig hervorgebracht, lauteten eine neue Richtung, ein frischer Wind, interessante Impulse; ich war die Einzige, die bei Wandel zuallererst an Abschied dachte, daran zweifelte ich nicht. Zu Hause starrte ich auf die Schatten an den frisch gestrichenen Wänden, die definitiv noch mal gestrichen werden mussten, und auch dafür würde ich hundert Stunden brauchen, wie für alles momentan. Die ersten Profilbilder wurden wieder zurückgeändert, der Sturm rüttelte an den Fenstern, und der Nachbar spielte die beiden einzigen Klavierstücke, die er beherrschte, Claire de Lune und irgendwas von Chopin, in den vergangenen neun Jahren hatte ich sie unzählige Male gehört, öfter wahrscheinlich als meine Türklingel.

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