Montag, 27. April 2015

Arbeitswut


Wie mein ehemaliger Chef, der inzwischen nur noch freier Mitarbeiter ist, und als solcher sich dermaßen ins Zeug legt, dass alle sich verwundert die Augen reiben, wie der also mir gegenüber andeutet, die Firma könne eventuell demnächst wieder verkauft und von jemand anderem aufgekauft werden, wir sitzen nebeneinander auf einem Eingangsbereichssofa (nehmen Sie noch ganz kurz Platz) und warten. Und ich frage: Wer will uns denn noch?, und er sagt, dochdoch, da gäbe es sicher Interessenten, da müsse man nur mal über den Richtigen stolpern, das könne ganz schnell passieren, er sagt: Und ihr seid ja auch nicht teuer, B. und M. und du, und dann die Büromiete, das ist ja nichts, wo man hintenüberkippen würde. Gut, der E., der sei teuer. Und du, denke ich, bestimmt auch. Aber wir ja nicht. Nach dem Termin sagt er, ich solle doch ein kleines Gedächtnisprotokoll schreiben, was wir so besprochen hätten, nicht wahr, er würde dann natürlich noch ergänzen. Und E., der teure E., für den ich ein Textchen geschrieben habe, ist nicht zufrieden damit, sagt mit einer Betretenheit, mit einem großen Bedauern (es tut uns Leid, Ihnen mitteilen zu müssen): Du ich finde das nicht gut, tröpfchenweise gibt er mir dann die Informationen, die ich brauche, damit das Textchen besser werden kann, gib mir diese Infos doch gleich, denke ich, plötzlich wütend, kommt selten vor, aber dann gleich sehr, gleich Hass auf die Arbeit, gleich Sinnlosigkeit, schlimm. Und auch wenn es Bürogefühle sind, sind es doch Gefühle, Arbeitswut, haha, die auch nach Feierabend nicht so schnell verpufft, wie ich es gerne hätte.

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