Dienstag, 26. Januar 2016

Warten auf den Weltuntergang

Irgendein Spinner hat uns erzählt, die Welt würde untergehen, und weil das einige von uns doch stärker beunruhigt, als es sollte, beschließen wir, uns zusammenzutun. Wir sitzen alle in einem Zimmer mit Blicks ins Freie, meine Eltern sind da, meine Brüder, ihre Kinder, auch M., ein guter Freund von meinem Bruder, ist dabei, die Kinder sind gut gelaunt bis verschlafen, es herrscht ein bisschen Silvesterstimmung, nur ohne Luftschlangen und Berliner. Und ohne Feuerwerk. Und die Welt geht natürlich auch nicht unter. Nicht um zehn Uhr, wie es vorausgesagt war, und auch nicht später. Stattdessen geht der Mond auf, er ist riesig, und er zieht in einer irren Geschwindigkeit sehr nah an der Erde vorbei, wir können den Mondwind spüren, er ist kellerkühl, und den Satelliten sehen, der den Mond umkreist, wir können sogar die Gebäude sehen, die auf dem Mond errichtet wurden, eine Forschungsstation offenbar, die aber wirkt wie ein amerikanischer Vorort, und ich probiere einen Witz: Da sind ja Häuser, warum wohnen wir nicht dort?, und alle lachen, und das Warten auf den Weltuntergang ist vorbei, es war schön, denke ich beim Aufwachen, wie wir da saßen und alle zusammen viel weniger Angst hatten als allein.

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