Donnerstag, 4. Februar 2016

Notizen

Tailored Smartness in Spring Suits for Ladies, from The New York Public Library
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Filmemacherinnen empfehlen Filme von Filmemacherinnen. Nachdem mein Versuch, alle Filme mit Romy Schneider zu gucken, drei Jahre nach Beginn wohl als gescheitert erklärt werden kann (aber immerhin, ich habe es versucht: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4), könnte ich mir jetzt doch eigentlich diese Liste vornehmen. Zumal mit „Cleo from 5 to 7“ von Agnes Varda und „Daisies“ von Vera Chytilova schon mal zwei Filme dabei sind, die ich ziemlich genial fand.
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Das Leben schien so unendlich wie Herr Kohl, der seit gefühlten 78 Jahren das Land betulich brabbelnd regierte, und wenn junge Menschen Pläne hatten, dann waren es Reisepläne. Reisen. In Orte, die noch nicht von Terroranschlägen beschmutzt waren, Flugzeuge, in denen Reisende nicht vorrangig Sicherheitsrisiken bedeuteten. Wenn doch nur etwas passieren würde, hofften die Meisten. Und sehnten sich nach der Jahrtausendwende.
Sibylle Berg über die Neunziger, das Jahrzehnt meiner Jugend. Ja, die Jahrtausendwende, und wie wir zu Silvester 99/00 extra nach Hamburg gefahren sind, und da rumstanden an der Außenalster oder wo, warum eigentlich. Wer feiert in Berlin schon Silvester am Brandenburger Tor, fragte H. mich neulich, und ich sagte, Leute wie du und ich, wie wir damals in Hamburg, junge Leute, Touristen.
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So meistert man also die großen Werke der Weltliteratur: Schritt für Schritt, mit fünfundzwanzig Seiten pro Tag
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Gesehen: Schnee von gestern (Trailer hier), ein unglaublich berührender Dokumentarfilm der israelischen Regisseurin Yael Reuveny, deren Großmutter und Großonkel beide den Holocaust überlebt, sich aber nach dem Krieg nicht wiedergetroffen haben. Die Großmutter ist Zeit ihres Lebens davon ausgegangen, ihr Bruder sei gestorben. Tatsächlich aber, und dem geht die Filmemacherin nach, ist er in Deutschland geblieben und hat dort eine Familie gegründet. Eigentlich ausgeliehen, weil ich auf Wikipedia gelesen hatte, dass Hauschka die Filmmusik gemacht hat (die auch sehr schön ist).
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Der Literaturbetrieb, in dem prinzipiell jeder alles macht, einfach, um sein Überleben zu sichern, ist deshalb grundsätzlich dysfunktional. Dass er trotzdem irgendwie weiter existiert, noch zumindest, liegt daran, dass es die Beteiligten schaffen, die zynische Grundlage seines Doch-Funktionierens immer wieder auszublenden. Der Preis dafür ist freilich hoch, und viele geben schließlich auf oder freunden sich mit dem Zynismus an.
Das andere Schreiben“, ein sehr lesenswerter Essay von Thorsten Krämer, der zehn Jahre lang Fernsehtexterei betrieben hat (und wegen dessen Off-Texten zu „Das perfekte Dinner“ ich die Sendung zwar nicht regelmäßig, aber wenn, dann immer sehr gerne geschaut habe, bis der Fernseher sich dann verabschiedet hat).

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