Dienstag, 24. Mai 2016

Gelesen: Delisle, Klemm, Basener

Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Jerusalem
Graphic Novel. Der Comiczeichner Guy Delisle begleitet seine Frau, die bei „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet, nach Israel. Sie wohnen mit ihren Kindern in Ost-Jerusalem, und Guy begegnet der Stadt, dem Land mit einer sympathischen Unvoreingenommenheit, mit viel Unwissen und ohne große Erwartungshaltung. Er lässt sich überraschen und seine Leserinnen daran teilhaben: an einer samstäglichen Autofahrt durch Mea Shearim, an den betrunkenen Haredim zu Purim, an dem Leben der Siedler und Araber in Hebron und so weiter. Gerade diese Unvoreingenommenheit ist eine schöne, seltene Haltung einem Land gegenüber, über das, wie mir oft scheint, jeder eine Meinung hat; wie über kein anderes Land wird über Israel Bescheid gewusst und geurteilt. Sehr angenehm, wenn da mal jemand kommt und neugierig guckt und eventuell erst mal ein paar Skizzen machen will. Außerdem mochte ich, wie Guy Delisle sein Vater- und Hausmanndasein immer mal wieder thematisiert. Hier gibt es eine Leseprobe. 

Gertraud Klemm: Muttergehäuse
„Aberland“ mochte ich sehr, noch einmal auf das aktuelle Buch aufmerksam geworden bin ich durch ein Interview mit der Autorin, aus dem ich im Kopf behalten habe, dass man „Muttergehäuse“ nicht wie einen Roman lesen dürfe. Das Buch ist geprägt von einer radikal persönlichen Sicht, ausgehend vom Kinderwunsch der Erzählerin, der unerfüllt bleibt, bis sie und ihr Mann sich zur Adoption entschließen. Der Blick aufs Mutterdasein in all seiner klaustrophobischen Enge und Kontrolliertheit-durch-Gesellschaft ist dabei alles andere als romantisierend. Die Außenseiterposition der nichtleiblichen Mutter wird sehr eindringlich beschrieben, auf eine ruppige, auch mit sich selbst ruppige Art geht es einmal quer durch alle Gefühlslagen, aber die Schilderungen kommen niemals emotionalisierend daher. Es ist ein Buch, das zu sich selber spricht, ein Sich-über-sich-selbst-klarwerden, an dem die Leserin teilhaben kann, hier wird keine Geschichte erzählt, sondern man bekommt die Möglichkeit, an einer Gefühlsentwicklung teilzuhaben, und diese Erzählhaltung hat mir sehr gefallen. Leseprobe hier. 

Anna Basener: Heftromane schreiben und veröffentlichen
Man sollte sich von den selbstironischen Kapitelüberschriften („1. Warum? Mitreißende Einleitung über die Notwendigkeit dieses Buchs“) nicht täuschen lassen, es handelt sich um einen sehr ernst gemeinten und ernst zu nehmenden Ratgeber für alle, die gerne einen Heftroman schreiben wollen (und dazu zähle ich). Denn es gibt einiges zu beachten, wenn man die Dramaturgiefolge „Das Verlieben. Der Konflikt. Die Lösung. Das Happy End“ auf 90 Manuskriptseiten so umsetzen will, dass die Heftroman-Lektorin vor Freude in die Hände klatscht. Ob es mir gelingen wird?, fragte sich die Bloggerin bange. Zunächst mal muss ich wohl zu Recherchezwecken erst noch einige Heftromane lesen.

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