Samstag, 21. Januar 2017

21 Tage 2017

Wie ich einmal versuchte, den Schnee zu fotografieren.
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„Liebe Fahrgäste! Zu Ihrer eigenen Sicherheit möchten wir Sie bitten, sich während der Fahrt festzuhalten.“ Immer wieder dieser Spruch, jeden Morgen im Bus auf dem Weg zur Arbeit. Der Gedanke daran, dass auch dahinter eine Geschichte steckt: freistehende Fahrgäste, die bei einer scharfen Bremsung durch den Bus purzeln, sich verletzen, die BVG anklagen: Warum sagt einem denn niemand, dass man sich FESTHALTEN muss?, daraufhin die eine Person, die diesen Spruch entworfen, einer anderen Person zur Abnahme vorgelegt hat, der Mann mit der sonoren Stimme, der ihn eingesprochen hat, die Kette aller Beteiligten–
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Abnehmen ist auch so ein Trend derzeit, scheint mir. Nicht verdruckst-erfolglos mit Kohlsuppendiät o.ä., sondern professionell, mit Fachwissen unterlegt und dem entsprechenden Vokabular: ein Defizit essen, Makronährstoffe, Refeed Day und was nicht alles. Ich will natürlich auch ständig abnehmen, weil: Leben als Frau, schaffe es aber kraft meiner Intelligenz immer wieder, mir das auszureden, weil: Muss nicht. Muss überhaupt nichts, danke.
Warum genau mir dieser Trend suspekt ist, darüber könnte ich nun lange nachdenken. Vermutung: Weil das Ganze auf dem Gedanken aufbaut, man hätte es selbst in der Hand. Ich bin Herrin meines eigenen Körpers. Diese Illusion. Der unendliche Rausch, der darin besteht, irgendetwas kontrollieren zu können – und sei es das eigene Gewicht. In einer Welt, die immer unübersichtlicher wird, können wir wenigstens noch Kalorien zählen. Hurra.
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Lektüre: Patti Smith: M Train.

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