Montag, 6. November 2017

Notizen KW 44


Als ich am Dienstag joggen gehe, es ist schon dunkel, es ist Reformationstag, kommen mir kleine Mumien entgegen, Vampire, Monster mit grünem Gesicht, ein Kind im Skelett-Kostüm an der Hand seines Vaters, es hat die Mütze mit dem Schädelaufdruck hochgeschoben, schaut mit müden, verwirrten Augen in die Welt, dann wieder Mumien, offenbar die beliebteste Verkleidung, weil sie so leicht umzusetzen ist, mit ein paar Mullbinden, die man sich um den Kopf wickelt. 
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Sie sei so disappointed gewesen, sagt die Yogalehrerin am Mittwoch in ihrer kleinen, ja wie nennt man das eigentlich, Predigt sicher nicht, in ihrer kleinen Rede zu Beginn der Stunde, so enttäuscht also, dass es im Focus of the Month nicht um Veganism gehe, sondern um Inversions, es gehe sonst im November immer um Veganism, weil November bedeute ja Thanksgiving, und heute sei übrigens World Vegan Day, sie redet noch eine ganze Weile darüber, wie verwerflich es sei, anderen wehzutun, und wie man, indem man jemanden esse, demjenigen ganz sicher wehtue; es ist diese Art von Unterricht, wo man nicht nur Yoga, sondern auch eine Weltanschauung vermittelt bekommt, was ich mal mehr, mal weniger gut vertrage, am Mittwoch fühle ich mich nach der Stunde wie ein schlechter Mensch; noch schlechter, als ich zu Hause in den Kühlschrank schaue und mich über den guten Käse freue, den unser Besuch eingekauft hat.
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In meiner alten Straße, lese ich in einem Berlin-Newsletter, hat ein neuer Hipsterladen eröffnet, wo man nun carefully curated Dies und Das kaufen kann. Dass da früher ein kleiner Schlecker war, daran erinnert sich außer mir auch Google Maps.
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Melancholie allerorten, auch im Weltall: "Der Wissenschaftler geht nicht davon aus, dass das Objekt, das zunächst fälschlicherweise für einen Kometen gehalten wurde, noch einmal in unser Sonnensystem zurückkehren wird."
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"Wenn wir aber die ganz realen Gefahren der Erderhitzung betrachten sollen, leiden wir an einem unglaublichen Mangel an Vorstellungskraft." Um diesen Mangel zu beheben, leistet der Artikel ganze Arbeit – und der nebenbei erwähnte, schöne Genrebegriff "Umweltgrusel" bezeichnet im Grunde genau das, was mich beim Lesen erfasst hat.
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Humor in Kundenfragen und -antworten auf Amazon.de: Eine Untersuchung
 
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Kurzfilm: Monday – A German Love Story

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