Montag, 1. Januar 2018

Jahresrückblick

Natürlich habe auch ich auf das Jahr 2017 zurückgeblickt. So, wie ich schon auf das Jahr 2016 zurückgeblickt habe, mit dem Yearcompass, den eine Bürokollegin uns, ihren Bürokolleg*innen, empfohlen hat. Per Facebook, in der Bürogemeinschaftsgruppe, die da existiert und aus der man meines Wissens nie wieder rausgeschmissen wird, auch dann nicht, wenn man der Bürogemeinschaft gar nicht mehr angehört, was bei mir ab März der Fall sein wird. Dann muss, dann will ich mir einen neuen Platz suchen, einen festen, eigenen, in einem kleineren Büro mit weniger Fluktuation, wo ich nicht jeden Tag gucken muss, welcher Platz heute frei ist, sondern wo feststeht: Dieser Tisch gehört mir, mir ganz allein!, da steht mein großer Bildschirm und am besten noch ein Familienfoto im Rahmen, ein Kaktus, eine Tube Handcreme. Das wird eine der Herausforderungen in 2018: so einen Platz zu finden. Zumal bitte im neuen Büro nur nette Schreibtischarbeiter*innen sitzen sollen, die nie telefonieren und eigentlich am liebsten alleine Mittagessen gehen. So wie ich. So wie ich! Vor ein paar Monaten postete ich in besagter Facebookgruppe einen Link zu einem Stick-Workshop, den ich vorhatte zu belegen. Ob da sonst noch wer Lust drauf hätte? Drei Bürokolleg*innen haben das geliket. Im Workshop (übrigens bei dieser talentierten Lady) saß dann aber niemand, den ich kannte. Sticken habe ich also gelernt in 2017. Eine unfassbar meditative Angelegenheit, möchte ich sagen. Stichelchen, Stichelchen, Stichelchen. Man braucht viel Geduld, um ein größeres Motiv zu vollenden, aber das wird einem gar nicht so klar, weil man ja die ganze Zeit beschäftigt ist. Am Ende sieht es dann auch anders aus, als man es sich vorgestellt hat, aber doch irgendwie schön. Nehmt dies als Sinnbild für das ganze Jahr. „Unglaublich, was für ein Scheißsommer das war. Wie es an meinem Geburtstag geregnet hat, sintflutartig“, notierte ich unter Lebewohl, vergangenes Jahr. Ja, ich hab mir den Yearcompass ausgedruckt und per Hand ausgefüllt, mit meiner fahrigen, gar nicht mal mehr so ansehnlichen Schrift, aus der Übung gekommen, ich tippe ja nur noch. Und auch das nicht genug!, wie ich selbstkritisch feststellen musste. Was hätte ich alles schreiben können in 2017, doppelt so viele Blogeinträge, ganze Erzählungen, halbe Romane, mindestens. Tja, vorbei! Ein dummes Wort. Viel habe ich, so scheint mir, 2017 nicht geleistet. Aber was ist schon eine Leistung. Was soll das sein, eine Herausforderung. Und bitte definier mir mal wer Erfolg. „Mit diesen drei Dingen werde ich mich regelmäßig verwöhnen“, ah nein danke. Wie ich allein das Wort schon verabscheue, verwöhnen. Wenn ich mich auf eins verlassen kann, dann auf das Gefühl, mich im Strudel der Selbstreflektion früher oder später einfach platt auf den Boden legen zu wollen wie so eine Flunder. Höchstens ein bisschen zu blinzeln mit meinen komischen Flunderaugen. Und nachts Flohkrebse und Borstenwürmer zu essen. Dieses ganze „Überleg mal, wer du bist und was du willst und mach was draus.“ So verführerisch, denn man hat ja, Tatsache, nur dieses eine Leben. Und gleichzeitig so oll und öde und schal und schnöde. Es liegt nicht alles in deiner Hand. Wie ich mir das Anfang 2017 notierte, zur inneren Beruhigung. Kann ich mir 2018 auch noch mal ganz oben auf den Zettel schreiben. Und dann vielleicht dies: „You’re never gonna feel like it“ (Minute 10:11). „Ever!“ Weil ich lachen musste, als ich das heute zufällig hörte, beim Wäscheaufhängen Ted-Talks laufen lassend. In meiner Erinnerung hat die Dame sofort eine Mickeymaus-Stimme bekommen, was ihrer Aussage noch mehr Wucht und Wahrhaftigkeit verleiht. Dabei sagt sie es gar nicht so. Liebe Leser*innen: Frohes Neues, frohes Neues, frohes Neues!

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